Bild der Woche

Die Sache mit dem Kopftuch

Es zeigt mich in voller Postur, angelehnt an eine Wand mit christlicher Symbolik. Ich war Gast im Altersheim Hottingerplatz
Foto KI-generiert

Debatten um das Kopftuch drängen sich auf. Also habe ich mir imaginär mal eines mittels KI dazu zaubern lassen. Hätte es jemand beachtet? Nicht, dass ich selbst eines tragen müsste – aber mal testen, wie es wäre. Vielleicht aus modischen Gründen. Vielleicht aber auch, um meinem christlichen Glauben sichtbar Ausdruck zu geben? Warum auch nicht. Maria, die Mutter Jesu, dürfte ebenfalls eines getragen haben. Warum sollte ich mich dafür rechtfertigen müssen?

Vor wenigen Tagen beobachtete ich am Flughafen Zürich eine Szene: Ein Sicherheitsmitarbeiter wies eine junge Kollegin darauf hin, dass sie ihr Kreuz, das offenbar über dem Pullover hing, darunter tragen müsse. Eine Nebensächlichkeit – und doch blieb sie mir im Gedächtnis.

Am selben Flughafen gibt es eine Flughafenkirche und Gebetsräume, offen für Menschen aller Religionen. Religionsfreiheit bedeutet nicht nur, etwas im Innersten glauben zu dürfen, sondern Religion auch leben zu können. Es gilt ja auch: „Wovon das Herz voll ist, spricht der Mund.“ Und im selben Masse zeigt es sich äusserlich.

Gerade deshalb macht mich die Kopftuchdebatte nachdenklich. Sie entzündet sich vor allem am sichtbaren Islam. Doch wenn religiöse Zeichen aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden, betrifft das am Ende alle: die Muslimin mit Kopftuch ebenso wie die Ordensfrau mit Schleier, den Franziskaner in Kutte oder die Christin mit einem Kreuz am Hals. Letztlich jeden Menschen, der irgendetwas bekennt.

Neutralität kann nicht bedeuten, dass Menschen keine Überzeugungen, keine Geschichte und keine geistliche Heimat zeigen dürfen. Auch unsere schweizerische Verfassung beginnt mit den Worten: «Im Namen Gottes des Allmächtigen.»

Ich wünsche mir deshalb mehr sichtbare Religion, mehr Gelassenheit im Umgang mit ihr. Neugier und Nachfragen: Warum bist du bekennende Christin, Muslima, Buddhist oder einfach, wie du bist? Hey, dein Universum, deine Biografie, sind spannend! Menschen sollen ihren Glauben glücklich leben dürfen. Menschen ohne Religion ebenso. Es gibt da keine Wertung, aber gegenseitigen Respekt.

Für mich bleibt die Frage nach Gott eine der grossen Fragen des Menschseins. Diese aus dem sichtbaren Lebensbereichen verbannen zu wollen, ist letztlich unmenschlich.

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